Viele Blogger haben detailierte Beschreibungen zu diesem Krankheitsbild aus Wikipedia etc. Aus diesem Grund hab ich mich entschlossen, das hier nicht reinzukopieren.
Für Details Wikipedia oder ähnliches
Ich werde mich teilweise auf Seiten beziehen, zitieren, Quellen sind http://www.blumenwiesen.org/borderline.html
und http://www.grenzhaus.de/index.php/borderline/entstigmatisierungsprojekt.html

Ich gehöre zu den circa 8 200 - 16 400 (1-2% der Deutschen) die mit dieser Krankheit überleben.
Da es leichter für mich ist, im allgemeinen zu sprechen, schreibe ich man Es trifft auf mich zu, außer wenn ich es dazuschreibe.

Die Krankheit dient meiner Meinung nach dem reinen Überleben. Wer den Kopf ins Wasser steckt, MUSS irgendwann Luft holen, das ist der Überlebenskampf, den die Evolution sich ausgedacht hat, ansonsten würde es die Menschen heute gar nicht geben
Wer um alles in der Welt sterben möchte und den Kopf ins Wasser steckt, taucht trotzdem auf.
Ich sehe das mit der Seele genauso. Wer, wie alle psychisch Kranken, in seinem Leben Sachen durchleben/erfahren musste braucht einen Ausgleich.
Je mehr negatives ein Mensch erlebt, desto mehr positives braucht er, um sein innerliches Gleichgewicht wieder zu bekommen. Wenn aber das negative überwiegt sucht man sich positive Dinge, um selbst für diesen Ausgleich zu sorgen.
Oft haben wir nie richtig gelernt, wie man negatives konstruktiv ausgleicht, darum suchen wir uns dann destruktive Sachen, wie selbst verletzendes Verhalten, Essstörungen, Tablettenmissbrauch (Intoxikieren - Intox), Alkohol, Drogen.........
DESTRUKTIV
bedeutet negativ. Das Problem an unseren erlernten Ausgleichmechanismen ist, dass es für den Moment hilft, aber auf Dauer schadet.
Ich versuche, negative Stimmungen mit Essen oder nicht essen, mit Intoxikationen - manchmal auch um ins Krankenhaus zu kommen, mit schneiden, aber auch mit Suizidgedanken auszuhalten.
Ich esse oft um Gefühle zu betäuben. Wenn es sehr schlimm ist, echt bis ich Bauchschmerzen habe, und nur noch denke "Bitte, lass es vorbei gehen!!!" und sobald es wieder ein bisschen besser ist, - 5 Minuten, 10 - geht es weiter.
In diesen Momenten, Stunden, Tagen, kann ich keinen Gedanken ertragen, habe angst davor, mit Erinnerungen oder inneren Bildern nicht zurecht zu kommen. Wenn ich dann Tabletten nehme kann ich nichts mehr denken, genauso beim fressen, da dreht sich mein gesamtes Denken nur ums Essen, bzw. die Wirkung von Tabletten. (Ich spreche jetzt nicht von denen, die "absichtlich" im Krankenhaus enden).
60% von uns haben Esstörungen.
Ich schreibe bewusst nicht leiden, weil es uns ja irgendwo doch etwas positives gibt.
Wenn ich Crashdiäten mache, dann hab ICH die Kontrolle, und ich weiss Bescheid, ich kenne die Regeln. Wenn ich dies esse, nehme ich ab, wenn ich das esse nehme ich zu.
Ich erlebe vieles in der Welt als überhaupt nicht nachvollziehbar - Menschen und deren Verhalten ist ganz schwierig bei mir!
Es ist für mich existentiell, mit dem Verstand alles nachvollziehen zu können, und wenn ich etwas nicht verstehe ist das so, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen.
Beim Essen weiss ich wie gesagt Bescheid, es ist die simple Rechnung: Wer unter dem Gesamtenergieumsatz isst, nimmt ab, wer darüber kommt, nimmt zu.
Dann muss ich mir Gedanken darüber machen, wie ich es schaffe, in kurzer Zeit so viel wie möglich abzunehmen OHNE das der Grundumsatz runter geht. Es gibt tausende Dinge, die man bei sowas beachten muss, und tausend Gründe, warum das oben genannte dann doch nicht funktioniert und man trotz hungern NICHT abnimmt.
Wassereinlagerungen, Periode..........
Und dennoch gibt es mir einen Rahmen, eine Sicherheit.

Ich mache ambulante DBT. DBT = Dialektisch behaviorale Therapie und kann sie absolut empfehlen!
Es wird mich weiterbringen, und ich denke wirklich, dass ich den Kampf gewinnen kann
Die DBT geht von folgenden Grundannahmen aus:
* Borderline-Patientinnen wollen sich ändern.
* Borderline-Patientinnen haben im Allgemeinen ihre Probleme nicht selbst herbeigeführt, müssen sie aber selbst lösen.

"Im Allgemeinen" gefällt mir nicht, aber der letzte Teil trifft definitiv zu.

* Borderline-Patientinnen müssen sich stärker anstrengen, härter arbeiten und höher motiviert sein als andere. Das ist ungerecht!

Als ich das gelesen habe musste ich lachen. Es hat mich wirklich getröstet. Ich kann mir zwar nichts kaufen davon , aber ich habe das Gefühl, es ist angemessen ausgedrückt, weil ich es oft als knallharten Kampf erlebe. Fressen oder gefressen werden.

* Das Leben suizidaler Borderline-Patientinnen ist so, wie es ist, nicht auszuhalten und unerträglich.
Ja, definitiv! Ich bin bei einer Online-Beratungsstelle, die bei Suizidankündigungen nicht die Polizei einschalten, was ich persönlich als extrem hilfreich empfinde.
Wenn ich mit dem Rücken komplett zur Wand stehe und gar nichts mehr geht, plane ich meinen Tod. Es ist dann einfach eine Entlastung für mich: So, jetzt geht nichts mehr, aber du darfst bald gehen!
Dann musst du das nicht mehr durchmachen.
Das Schwierige ist: Wer an diesem Punkt angekommen ist kann oft nicht mehr mit anderen darüber reden. Ich hatte dann Angst davor, mit meiner Spannung bzw. den Gefühlen allein gelassen zu werden, damit eingesperrt zu werden.
In diesen Momenten denke ich, dieser Zustand würde NIE WIEDER besser werden.

* Borderline-Patientinnen müssen im Allgemeinen in allen Lebensbereichen neues Verhalten lernen.
Irgendwie schon :/


* Borderline-Patientinnen können in der DBT nicht versagen.


* Therapeutinnen, die mit Borderline-Patientinnen arbeiten, brauchen Unterstützung
:/

Es heißt, wir untersuchen die Äußerungen und Kommunikationssignale (Gestik, Mimik, Sprechweise) sehr intensiv auf bestimmte Merkmale. Das kann aus Misstrauen (resp. Angst) geschehen oder wegen möglicher Kränkungen (resp. brüchiges Selbstbild).
Gerade dieses achen, auf Gestik, Mimik und Sprechweise versuche ich, da ich extrem unsicher im zwischenmenschlichen bin.
Wenn sich eine Freundin von mir mal länger nicht meldet denke ich sofort "Oh Gott! Will die keinen Kontakt mehr zu mir??"
Einfach, weil ich Menschen nie einschätzen kann! Bzw. weil ich andauernd mit Verhaltensweisen von Mitmenschen - Familie, Freunde..., konfrontiert und komplett überfordert bin, weil ich das Verhalten nicht nachvollziehen kann.
Und weil ich die Grundannahme habe "Du wirst eh nie kapieren, warum Menschen dies oder jenes machen", brauche ich halt andauernd die Absicherung.

Ich weiss nicht, wie man mit Menschen umgeht, aber mir wird sehr oft gesagt, dass ich sehr einfühlsam bin, was ich von mir auch glaube. Leute, denen es nicht gut geht, vertrauen mir, das macht mich unheimlich glücklich.
Bei Kindern genauso